Feature: Unwetter richtet große Schäden in NRW an

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Feature: Unwetter richtet große Schäden in NRW an

Ãœber der Böschung flattert ein Absperrband, die Rettungswagen sind weggefahren. Bestatter haben im Morgengrauen die Leichen von drei Menschen weggebracht, die hinter der Hecke in einem Gartenhaus ums Leben kamen – erschlagen von einem Baum, den der Sturm umknickte wie ein Stöckchen.

Gespenstische Szene nach dem Unwetter über Düsseldorf. Und am düster verhangenen Westhimmel zucken schon wieder Blitze. Früh am Dienstagmorgen sind nur wenige Menschen in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen unterwegs. Einige versuchen es zu Fuß, weil Busse und Bahnen nicht fahren. Andere kämpfen sich mit dem Auto durch Staus – alle suchen sich einen Weg durch abgebrochene Äste und herumgeflogene Gegenstände. Oft hilft es nicht – irgendwann liegt da doch der Baum, der endgültig das Weiterkommen stoppt.

Auch auf den Schienen geht nichts mehr: Straßenbahnen fallen aus, vor dem Düsseldorfer Hauptbahnhof warten viele Menschen. Weder Züge verkehren noch haben Ersatzbusse eine Chance, sich durch die Staus zu kämpfen. Lediglich Taxis versuchen, die Menschen von A nach B zu bringen. Später am Dienstagmittag ist die Lage bei der Deutschen Bahn noch sehr angespannt. Vor allem das Ruhrgebiet ist betroffen.

Mehrere Tote, viele Verletzte. Auch sonst sind viele betroffen: Ist das Auto noch ganz? Liegen noch alle Dachziegel? Der zerstörerische Ausbruch der Natur hat viel Unheil angerichtet. Bäume fielen auf Autos und Häuser, Keller liefen voll Wasser, Straßen wurden überflutet. 1100 Meldungen zählte allein die Feuerwehr in Essen am Morgen. «900 davon sind noch nicht abgearbeitet», sagt ihr Sprecher Mike Filzen.

Verkehrschaos allerorten. Die Einsatzkräfte kommen nicht mehr nach. Ein Leitstellen-Beamter in Düsseldorf: «Das ist hier Drama.» Viele Straßen sind noch unpassierbar. Lange Staus die Folge. Wer nicht von vornherein mehrere Stunden auch für kurze Wege einkalkuliert, kommt am Dienstagmorgen zu spät.

Für manche ging das schon am Vorabend los. Ein Open-Air-Rockfestival in Essen wurde wegen des Unwetters abgebrochen. 15 Besucher wurden verletzt, zwei von ihnen schwer. Alle kamen in Krankenhäuser. Die anderen hatten große Schwierigkeiten, wieder nach Hause zu kommen. Die sonst günstige Möglichkeit, von einem nahe gelegenen S-Bahnhof in die Innenstadt zu fahren, fiel aus. Bäume hatten die Strecke unpassierbar gemacht. Busse fuhren nicht mehr, weil Bäume die Straßen versperrten. Das Rote Kreuz richtete in einer Turnhalle eine Betreuungs- und Notschlafstelle ein. Rund 200 junge Leute nutzten das Angebot, den Rest der Nacht im Trockenen zu verbringen.

Große Aufregung unmittelbar nach der Sturmwalze: «Was fotografieren Sie? Dahinten sind vielleicht Menschen unter Bäumen begraben», ruft ein aufgeregter Passant dem Reporter entgegen. Nach eiligem Nachsehen Entwarnung. An Seilen aufgehängte Straßenlaternen liegen auf der Straße, daneben abgebrochene Bäume. Davor ein Linienbus. Kein Durchkommen mehr. Passagiere und Fahrer haben wohl großes Glück gehabt.

Kurioses: Nach dem Sturm am Abend liegt ein aufblasbares Planschbecken in der Garageneinfahrt. Hundert Meter muss es geflogen sein, über Häuser und Garagen hinweg. Die Besitzer sind in den Niederlanden zelten. Sie werden die Geschichte kaum glauben.

Nicht alles läuft schief an diesem Morgen: Ein Zeitungsbote in Essen hat sich durchgekämpft. «Zweieinhalb Stunden musste ich auf die Zeitungen warten», erzählt er. Doch dann konnte er loslegen.

Source: „dpa“

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