Militante Islamisten nehmen nordirakische Stadt Mossul ein

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Militante Islamisten nehmen nordirakische Stadt Mossul ein

Mitglieder einer islamistischen Terrorgruppe haben nach tagelangen Kämpfen die nordirakische Vielvölkerstadt Mossul eingenommen. Der Gouverneur der Provinz Nineveh, Athil al-Nudschaifi, sagte dem Nachrichtensender Al-Arabija, die Regierungstruppen hätten sich zurückgezogen.

Tausende Bewohner seien bereits geflohen, berichteten Augenzeugen. Al-Nudschaifi war den Angaben nach selbst nur knapp entkommen, als die Milizionäre den Regierungssitz stürmten.

Laut Nachrichtenportal «Sumaria News» drangen die Kämpfer der Miliz Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS) auch in Gefängnisse ein und ließen mehr als 1400 Häftlinge frei. Zudem übernahmen sie demnach die Kontrolle über den Flughafen, mehrere Regierungsgebäude sowie zwei Fernsehsender. Zahlreiche Bewohner seien in die kurdischen Provinzen Erbil und Dohuk geflüchtet. Laut türkischer Nachrichtenagentur Dogan wurden auch 28 türkische Lkw-Fahrer entführt.

Beobachter gehen davon aus, dass mehr als 3000 ISIS-Kämpfer in der Region Mossul aktiv sind. Die Gruppe gehört zu den radikalsten Sunnitengruppen, die im arabischen Raum einen Gottesstaat errichten wollen. Seit Januar kontrollieren die Milizionäre bereits Gebiete der westlichen Provinz Al-Anbar und liefern sich dort heftige Kämpfe mit Regierungstruppen. Aus der Provinz sind nach UN-Angaben inzwischen mehr als 400 000 Menschen geflohen.

Im Irak eskaliert derzeit der langjährige Machtkampf zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen. Die Sunniten, die zu Zeiten des Diktators Saddam Hussein gute Aussichten auf Karrieren in Staat und Armee hatten, fühlen sich von der schiitisch dominierten Regierung diskriminiert. Allein am Wochenende sind bei einer Serie von Anschlägen im Irak mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen.

Zugleich gibt es in dem Land noch keine neu legitimierte Regierung. Ende April gewann zwar das Bündnis des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki die Parlamentswahl. Der wegen seines autoritären Führungsstils umstrittene Regierungschef ist jedoch auf Koalitionspartner angewiesen. Beobachter rechnen mit einer längeren Hängepartie.

Der Syrienkonflikt sorgt für weiteren Zündstoff. Organisationen wie die ISIS gewannen durch den Bürgerkrieg großen Einfluss. Extremistische Milizen haben in den nördlichen syrischen Provinzen einen Rückzugsort und Zugang zu Waffen. Durch die Eroberung der irakischen Stadt Falludscha Anfang des Jahres fielen den Extremisten auch zahlreiche Waffen der Regierungstruppen in die Hände. Bei den Unruhen im Irak waren nach UN-Angaben allein 2013 knapp 8900 Menschen getötet worden.

Source: „dpa“

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