Mehr als 20 Tote bei Taliban-Anschlag in Nordafghanistan

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Mehr als 20 Tote bei Taliban-Anschlag in Nordafghanistan

Nach dem blutigen Freitag in Kabul mit mehr als 50 Toten bei Anschlägen haben die Taliban am Wochenende im früheren Bundeswehr-Einsatzgebiet in Nordafghanistan zugeschlagen: Mindestens 21 Menschen wurden in der Provinz Kundus getötet, als sich ein Selbstmordattentäter am Samstagabend im Distrikt Chanabad in die Luft sprengte. Laut dem afghanischen Innenministerium waren die Opfer Zivilisten, laut örtlichen Behörden- und Polizeivertretern handelte es sich um Angehörige einer Anti-Taliban-Miliz.

"Der Selbstmordanschlag führte zum Märtyrertum von 21 Zivilisten", erklärte das Innenministerium in Kabul und verurteilte die "feige Tat", zu der sich die radikalislamischen Taliban bekannten. Es habe zehn Verletzte gegeben. Nach Angaben des Sprechers des Provinzgouverneurs wurden 22 Milizionäre getötet, darunter vier Kommandeure.

Die Bundeswehr hatte ihr Feldlager in Kundus schon 2013 an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. Die Region liegt aber noch im deutschen Verantwortungsbereich für die Ausbildungsmission, die Anfang des Jahres auf den Nato-Kampfeinsatz folgte. Die Sicherheitslage hat sich seitdem dramatisch verschlechtert; vor Kurzem gelang es den Taliban fast, die Provinzhauptstadt Kundus zu überrennen.

Am Freitag hatten drei Anschläge Kabul erschüttert, dabei wurden mindestens 51 Menschen getötet. Es war die verheerendste Anschlagsserie in Afghanistans Hauptstadt seit Dezember 2011, als mehr als 50 Menschen bei einem Selbstmordanschlag getötet worden waren. Eine Attacke galt einer Polizeiakademie, eine weitere einem US-Militärstützpunkt. Unter den Opfern waren viele Zivilisten und Polizeianwärter sowie ein Soldat der Nato-Mission "Resolute Support". Mehr als 240 Menschen wurden verletzt.

Die Anschläge waren die ersten größeren Angriffe in der Hauptstadt seit Bekanntgabe des Todes des langjährigen Taliban-Anführers Mullah Omar in der vergangenen Woche. Mullah Achtar Mansur wurde zum neuen Anführer bestimmt, doch wird er von großen Teilen der islamistischen Rebellenbewegung wegen seiner Nähe zur Regierung in Pakistan und seiner Befürwortung von Friedensgesprächen mit der Regierung in Kabul abgelehnt.

Die aktuelle Eskalation der Gewalt ist nach Ansicht von Politikwissenschaftlern auf den Versuch Mansurs zurückzuführen, den Respekt der Basis zu gewinnen und vom internen Machtkampf abzulenken. Der Militärexperte Mirsa Mohammed Jarmand in Kabul sagte: "Die neue Angriffswelle zeigt, dass Mullah Mansur nicht besser ist als Mullah Omar."

Die afghanischen Sicherheitskräfte müssen erstmals einer Sommeroffensive der Taliban praktisch allein die Stirn bieten, nachdem die internationalen Truppen ihren Kampfeinsatz im Dezember beendeten. Dabei setzen sie verstärkt auf örtliche, kaum kontrollierbare Milizen. Für Beobachter gleicht das dem verzweifelten Versuch, Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Frühere afghanische Regierungen hatten versucht, die Milizen zu entwaffnen. Der Taktikwechsel macht auch klar, dass die Bemühungen, schlagkräftige Sicherheitskräfte unter zentraler Steuerung aufzubauen, bislang nicht ausgereicht haben.

Source: „AFP“

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