Mehr als 40 Tote bei Anschlagsserie in Kabul

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Mehr als 40 Tote bei Anschlagsserie in Kabul

Nach einer Reihe von Anschlägen in Afghanistans Hauptstadt Kabul ist die Zahl der Opfer auf mindestens 44 gestiegen. Die Nato-Mission "Resolute Support" meldete, die Attacke auf einen US-Stützpunkt habe nicht nur einen Soldaten, sondern auch acht zivile Mitarbeiter das Leben gekostet. Die Anschlagsserie vom Freitag war damit die verheerendste seit dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes in Afghanistan und dem jüngsten Machtwechsel bei den radikalislamischen Taliban.

Beim ersten Anschlag kurz nach Mitternacht riss die Explosion eines mit Sprengstoff beladenen Lastwagens 15 Menschen in den Tod, 240 weitere wurden verletzt. Die Detonation in der Nähe eines Militärstützpunkts riss ein zehn Meter tiefes Loch in die Straße. Viele Menschen wurden im Schlaf durch zerberstende Scheiben verletzt. Unter den Verletzten waren 47 Frauen und 33 Kinder, wie ein Regierungssprecher mitteilte.

Am Abend sprengte sich dann ein Attentäter in Polizeiuniform nahe der Polizeiakademie der afghanischen Hauptstadt in die Luft und tötete mindestens 20 Polizeianwärter. Ein hoher Mitarbeiter des afghanischen Geheimdiensts sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Attentäter habe sich vor der Akademie in die Luft gejagt, als gerade Polizeianwärter nach dem zweitägigen Wochenende in die Schule zurückkehrten. An der im Westen Kabuls gelegenen Polizeiakademie beenden jedes Jahr bis zu 3000 Polizeianwärter ihre Ausbildung.

Die radikalislamischen Taliban bekannten sich umgehend zu dem Angriff nahe der Polizeiakademie, distanzierten sich aber – wie üblich bei Angriffen mit vielen zivilen Opfern – von dem Anschlag im Stadtzentrum in der Nacht. Am späten Freitagabend wurde schließlich der US-Stützpunkt Camp Integrity angegriffen. Ein Soldat und acht zivile Nato-Mitarbeiter wurden getötet, erklärte das Militärbündnis am Samstag, ohne die Nationalitäten der Opfer bekanntzugeben.

Es handelte sich um die ersten größeren Angriffe in Kabul seit Bekanntgabe des Todes des langjährigen Taliban-Anführers Mullah Omar in der vergangenen Woche. Mullah Achtar Mansur wurde zum neuen Anführer bestimmt, doch wird er von großen Teilen der islamistischen Rebellenbewegung wegen seiner Nähe zur Regierung in Pakistan und seiner Befürwortung von Friedensgesprächen mit der Regierung in Kabul abgelehnt.

Die aktuelle Eskalation der Gewalt ist nach Ansicht von Politologen auf den Versuch Mansurs zurückzuführen, den Respekt der Basis zu gewinnen und die Aufmerksamkeit von internen Differenzen abzulenken. Der Militärexperte Mirsa Mohammed Jarmand in Kabul sagte: "Die neue Angriffswelle zeigt, dass Mullah Mansur nicht besser ist als Mullah Omar."

Die afghanischen Sicherheitskräfte müssen erstmals einer Sommeroffensive der Taliban praktisch allein die Stirn bieten, nachdem die internationalen Truppen ihren Kampfeinsatz im Dezember beendeten. Für Ausbildungs- und Anti-Terror-Einsätze sind aber noch rund 13.000 ausländische Soldaten im Land. Die Nato in Afghanistan verurteilte den Anschlag vom Freitag als "verachtenswerte Gewalttat".

Source: „AFP“

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