Israelischer Spion Pollard nach 30 Jahren aus US-Haft entlassen

Panorama 0
Israelischer Spion Pollard nach 30 Jahren aus US-Haft entlassen

Nach 30 Jahren Haft in den USA ist der israelische Spion Jonathan Pollard auf Bewährung freigekommen. Der 61-Jährige habe am Freitag das Gefängnis von Butner im Bundesstaat North Carolina verlassen, teilten seine Anwälte mit. Sie kündigten an, nun die harten Bewährungsauflagen für ihren Mandanten anzufechten. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu begrüßte die Freilassung.

Pollard sei "nach drei langen und schwierigen Jahrzehnten endlich wieder bei seiner Familie", sagte Netanjahu. Mit "Ungeduld" habe er diesen Tag erwartet. Der Fall hatte die israelischen Regierungen und die US-Präsidenten seit Ronald Reagan (1981-1989) immer wieder beschäftigt. Die Affäre belastete die bilateralen Beziehungen bis heute.

Die US-Behörde für Bundesgefängnisse bestätigte, dass Pollard auf Bewährung freigelassen worden sei. Zu seinen Verpflichtungen zählt, dass er die USA fünf Jahre lang nicht verlassen darf. Seine Anwälte Jacques Semmelman und Eliot Lauer kritisierten die "rachsüchtigen und grausamen" Auflagen und kündigten an, Klage vor einem Bundesgericht in New York einzureichen. Pollard sei ein "Vorzeigehäftling" gewesen. Es gebe keinen begründeten Verdacht, dass er erneut straffällig werde.

Aus dem Weißen Haus hieß es allerdings, dass US-Präsident Barack Obama "keine Pläne hat, die Bedingungen der Bewährung zu ändern". Nach Angaben aus seinem Umfeld wurden Pollard eine Wohnung und ein Job in der Region New York zugesichert. Der Ex-Spion wolle jedoch nach Israel umsiedeln.

Der aus einer jüdischen Familie in Texas stammende Pollard hatte als Analyst beim Geheimdienst der US-Kriegsmarine Zugang zu hoch brisanten Unterlagen. Von Mai 1984 bis zu seiner Verhaftung im November 1985 händigte er dem israelischen Geheimdienst Mossad viele tausend Dokumente mit US-Spionagematerial aus dem arabischen Raum aus. Außerdem spielte der Absolvent der Eliteuni Stanford seinen israelischen Verbindungsleuten ein zehnbändiges Handbuch zu, das bei der Navy "Die Bibel" hieß und genau dokumentierte, wie die USA die Kommunikationsstränge der Sowjetunion abhörten.

Der damalige US-Verteidigungsminister Caspar Weinberger soll im Pollard-Prozess ausgesagt haben, diese Dokumente seien vermutlich danach auch in die UdSSR gelangt. Zudem gibt es viele Hinweise, dass Pollard nicht nur dem engen Verbündeten Israel, sondern auch Südafrika Erkenntnisse weitergab. Drei weiteren Staaten soll er ebenfalls Geheimdokumente zum Kauf angeboten haben. Nach eigener Aussage kassierte er vom Mossad für seine Dienste mehrere hunderttausend Dollar.

Für die Spionage wurde Pollard 1987 zu lebenslanger Haft verurteilt, mehrfach bemühte er sich vergeblich um eine Freilassung. Ende Juli entschied eine Bewährungskommission dann, Pollard vorzeitig aus der Haft zu entlassen. Sowohl Israel als auch die USA dementierten Gerüchte, dies könne ein Zugeständnis Washingtons im Streit um das Atomabkommen mit dem Iran gewesen sein.

Pollard hat seit 1995 auch die israelische Staatsbürgerschaft und genießt dort den Status eines Nationalhelden. Vor allem die Nationalreligiösen und die Radikalen in der jüdischen Siedlerbewegung gehen regelmäßig zu Massenprotesten für ihn auf die Straße. Organisiert wird die Kampagne von seiner zweiten Frau Esther Zeitz. Die orthodoxe Jüdin, die aus Kanada nach Jerusalem einwanderte, hatte sich für die Freilassung Pollards eingesetzt und ihn 1993 im Gefängnis geheiratet.

Source: „AFP“

About the author / 

News724.com

Related Posts

Leave a reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Kommentare werden moderiert. Es kann etwas dauern, bis dein Kommentar angezeigt wird.