Es sprießt – Schau über Geschichte des Bartes

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Es sprießt - Schau über Geschichte des Bartes

Der Mann lässt es gern sprießen. Ob Kinnbärtchen, Schnäuzer oder hipper Rauschebart – die Gesichtsbehaarung ist ein kulturübergreifendes Symbol. Es steht für Männlichkeit, Macht, Weisheit oder auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten religiösen, gesellschaftlichen oder politischen Gruppe.

Im Neuen Museum Berlin ist von Freitag an die Ausstellung «Bart – zwischen Natur und Rasur» (bis 28. Februar) zu sehen. Sie geht dem haarigen Kulturphänomen von der Antike bis zur Gegenwart nach und beweist: Auch Frauen tragen Bart.

Allerdings: Schon die Männer in der Bronzezeit rasierten sich. Das beweisen bronzene Rasiermesser, die Verstorbenen mit in ihre Gräber gegeben wurden, wie Ausstellungsmacher Benjamin Wehry erklärt. Das Klischee vom Wilden stimme moreover nicht, vielmehr hätten die Besitzer der Rasier-Utensilien offenbar großen Wert auf eine kultivierte Lebensweise gelegt.

Auch die Ägypter waren glatt rasiert – als Herrschaftssymbol banden sich die männlichen, aber auch die weiblichen Pharaonen lange, aus künstlichem Haar geformte Bärte um. In der Ausstellung wird diese «Mode der Macht» mit dem riesigen Sandstein-Kopf einer Sphinx der Königin Hatschepsut dokumentiert. «Der Bart macht den Herrscher», sagt Wehry.

Auch heute gibt es Frauen, die – allerdings echten – Bart tragen. So wie die 51-jährige Künstlerin Mariam. Sie war es leid, ihren kräftigen Haarwuchs zu rasieren. «Es ist ein Teil von mir», sagt sie. «Warum soll ich den Bart verstecken», so Mariam, die in der Ausstellung Einblicke in die Geschichte der früher oft auf Jahrmärkten ausgestellten «bearded women» und auch in ihr eigenes Leben als Bart tragende Frau gibt.

Gepflegte, am liebsten lockige Bärte waren schon bei den alten Griechen beliebt. Hadrian war als Bewunderer der griechischen Kultur dann der erste römische Kaiser, der sich mit Bart abbilden ließ, wie eine Porträtbüste zeigt. Bei den Römern wurde der sorgfältig frisierte Vollbart damit ein modisches Muss. Nur Alexander der Große, zu seiner Zeit der mächtigste Mann der Welt, war für einen Bart einfach zu jung. Ein Marmorbildnis zeigt den Herrscher mit prachtvollen Locken, aber bartlos.

Dann gab es schon früh auch den «unkonventionellen Bart», der eben gegen die Konventionen verstieß – wie das Marmor-Porträt des Philosophen Platon mit Zottelbart, aber später zum Beispiel auch die bewusst voluminöse Barttracht von Karl Marx zeigt.

Zu den kuriosesten Exponaten der Schau gehört eine sogenannte Barttasse aus der Kaiserzeit, die dank eines speziellen Einsatzes den gezwirbelten Kaiser-Wilhelm-Bart vor Kaffee oder Tee schützte. «Zu schonen Deinen schönen Bart, nimm dieses Tässchen eigner Art» steht auf dem Porzellan. Und auch Gerhard Goders Holzskulptur der bärtigen «Conchita Wurst auf der Mondsichel» ist zu sehen.

Infos zur Ausstellung, Öffnungszeiten, Tickets

Source: „dpa“

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